Uwe Pfeifer

Zeichnungen und Druckgrafiken

07.02. - 22.03.2019

Uwe Pfeifer, 1947 in Halle geboren, gehört heute zu den bedeutendsten Gegenwartskünstlern Halles. Mit seinen ausgefeilten, klaren grafischen Arbeiten und Malereien hat sich der Künstler, dessen Arbeiten auf zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen wie der Biennale 1982 und 1988 in Venedig gezeigt wurden, in den letzten Jahrzehnten weit über die Grenzen von Sachsen-Anhalt einen Namen gemacht. Nach zwei umfangreichen Werkschauen, die die Galerie im cCe Kulturhaus Leuna 2000 (gemeinsam mit dem Bildhauer Klaus-Friedrich Messerschmidt) und 2007 präsentierte, konzentriert sich die diesjährige Ausstellung auf Zeichnungen und Druckgrafiken des Künstlers, die für Pfeifer gleichwertig neben der Malerei stehen.

Plattenbauten, Tunnel, Unterführungen und Treppen gehören ebenso zu seinen Motiven wie alte Gemäuer mit uralten fest gefügten Steinen, die die Jahrhunderte überdauerten und auch Fragen des menschlichen Daseins sowie die Themen Kindheit, Heranwachsen, Leben und Tod beschäftigen den Künstler immer wieder. Während Vanitas-Motive Zeitklang und dessen Echo zum Ausdruck bringen und Vergänglichkeit sowie Erneuerung verbildlichen, spiegeln Bildfindungen wie „Tagtraum" und „Totentanz" menschliche Sehnsüchte, Ängste und Träume. In den 1970er Jahren begann Pfeifer seine Sicht auf die Neubausiedlung Halle-Neustadt auf Papier und Leinwand zu bringen, was alsbald großes Interesse erregte. Durch die Verwendung unterschiedlicher Lichtverhältnisse und mittels Störungen alltäglicher Gegenstände, verleiht er den Straßenschluchten der Neubaustadt ein menschliches Maß und dem Grau des Betons ein vielgestaltiges Bild. Die ausdrucksstarken Bildnisse Pfeifers, die von stofflicher Realistik und physiognomischer Prägnanz sind und eine facettenreiche Psychologie entfalten, stehen hingegen im Kontrast zu den empfindsamen Naturdarstellungen des Künstlers, die ohne die Präsenz des Menschen auskommen. Wettererscheinungen, Lichteffekte oder die unterschiedliche Beschaffenheit der Wolken über seinen Landschaften, lassen ein visuelles Spannungsfeld entstehen, in dem sich die Ambivalenzen des Daseins reflektieren.

Kunsthistorisch betrachtet ist der hallesche Künstler als Schüler von Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke der Leipziger Schule zuzurechnen, wenngleich die künstlerischen Vorbilder Pfeifers viel weitreichender sind. Sein Werk ist durch einen figürlichen Realismus gekennzeichnet, der sowohl Zitate altdeutscher Malerei als auch solche der Romantik, des Verismus und des Surrealismus aufgreift. Pfeifers Werke, so sagt er selbst, sind gegenstandsbezogene Malerei, mit der er Inhalte und Anliegen vorstellt. In die hallesche Malerei brachte der Künstler eine neue Perspektive ein und fand auch darüber hinaus sehr schnell Beachtung. Dies war neben seiner charakteristischen Formensprache vor allem den thematischen Schwerpunkten – der fortschreitenden Umweltzerstörung sowie die Entfremdung des Einzelnen innerhalb der Gesellschaft – seiner künstlerischen Arbeit geschuldet. Im konsequenten Enthüllen und Aufdecken allgemeiner Gegensätze der Zeit fand er Anschluss an die Entwicklungen jenseits der Grenzen der DDR. Neben einer Vielzahl von Ausstellungen sowie Ausstellungsbeteiligungen wurde Uwe Pfeifer zudem mit mehreren Preisen geehrt. 2009 erhielt er den halleschen Kunstpreis. Die Ausstellung präsentiert eine Auswahl bisheriger Druckgrafiken und Zeichnungen aus den verschiedensten Schaffensperioden des Künstlers.